Arbeit & Referenzen

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In folgenden Medien sind bereits Beiträge von mir erschienen:

 

 

Meine Arbeit


Einige Texte von mir 

taz: Ausgelacht vom Frauenarzt

bento: Nein, wir brauchen den Schüleraustausch zwischen Ossis und Wessis nicht!

bento: Warum Menschen Lotterie spielen – trotz der geringen Gewinnchancen

bento: Ich bin streng gläubig, pornosüchtig - und hatte mit 30 mein erstes Mal mit einer Prostituierten

HAZ: Modellbau: So schön ist der Telemax im Maßstab 1:500

HAZNach 64 Jahren schließt Bäckerei Alscher

HAZ: Barsinghausen steht nach Gewaltverbrechen unter Schock

bpb:magazin: Was tun, wenn's nicht mehr brennt? (Ausgabe 2/2018, S. 32)


Traum vom besseren Leben

Reportage

Schwäbische Zeitung, 16.04.2016


Eine Geschichte aus der Ravensburger Burachhalle zeigt: Menschen vom Balkan haben kaum Chance auf Asyl

Von Elena Everding

Ravensburg. Menschen aus den Balkanstaaten kommen nach Deutschland, obwohl sie kaum Chancen auf Asyl haben. Dani Dukate hat sich trotzdem auf den Weg gemacht. Sie lebt derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in der Ravensburger Burachhalle. Nun muss sie wieder zurück nach Albanien. 

Sieben Menschen aus Albanien sind im Jahr 2015 in Deutschland als Flüchtling anerkannt worden. Die Übrigen wurden bereits abgelehnt oder werden es noch. Danach folgt die Ausweisung. Dani Dukate wird es nicht anders ergehen. "Na komm her!" ruft die 59-jährige Albanerin dem syrischen Jungen Mustafa (Name von der Redaktion geändert) zu. Freudig läuft er mit seinem Handy auf sie zu, er will ihr etwas darauf zeigen. Sie lacht, schiebt ihm das Handy über den Tisch und Mustafa geht wieder mit den anderen Kindern spielen. Ein bisschen fehl am Platz wirkt sie zwischen den arabisch aussehenden Frauen, auf den ersten Blick zumindest. In der Burachhalle sitzt Dani Dukate am Tisch im Gemeinschaftsraum, es gibt Kaffee und Knabbereien. Das Projekt "Frauen treffen Frauen" bringt Flüchtlings- und deutsche Frauen ins Gespräch. Dani Dukate hat kaum mehr Hoffnung auf Asyl. 

Seit Oktober vergangenen Jahres ist Dukate wieder in Deutschland, nachdem sie bereits von 1998 bis 2004 mit ihrer Tochter hier gelebt hat, erzählt sie. In der Zwischenzeit lebte sie wieder bei ihrem Mann in Albanien, der lieber in ihrer

Heimatstadt Shkodra nahe der mazedonischen Grenze bleiben wollte. Nun ist sie eine von etwa 290 Bewohnern der Turnhalle.

"Mein Mann sagt, diesmal bleibe ich für immer, wenn ich wieder zurück bin", erzählt Dukate. In Kürze wird sie wieder nach Albanien ausgewiesen, wie schon so viele ihrer Landsleute vor ihr. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. In der Burachhalle leben nur noch drei albanische Familien; als die Unterkunft im Oktober 2015 geöffnet wurde, seien es viel mehr gewesen, sagt Ramona Loch vom Deutschen Roten Kreuz, das die Unterkunft betreut. Es scheint das Schicksal der Menschen aus den Balkanstaaten zu sein: Sie hoffen in Deutschland auf ein besseres Leben und werden bitter enttäuscht. In ihrer Heimat Albanien zerstören Armut, Korruption, die sogenannte Blutrache und eine "Regierung, die nichts tut", wie Dukate findet, jegliche Perspektiven. "Wie Wölfe" sei die Regierung in ihrer Heimat.

Doch dies reicht in Deutschland nicht als Asylgrund; in Albanien herrschen kein Krieg oder Lebensgefahr. Dani Dukate muss sich damit abfinden, dass ihre Heimat 2015 als sicheres Herkunftsland eingestuft wurde. Aber was trieb sie wieder hierher? "Ich habe Schmerzen" erzählt sie mit einem müden Ausdruck im Gesicht, "arbeiten kann ich nicht mehr". Osteoporose. "In Albanien gibt einem der Arzt eine Tablette am Tag", doch das reiche nicht. Die restlichen Medikamente kosten Geld. Geld das sie nicht hat. In Deutschland dagegen seien es vier Tabletten, die ihr der Arzt

verschreibt. Als sie noch arbeiten konnte, kam ihr der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in die Quere. Mit ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung fand sie nun keine Stelle mehr. Die niedrige Anerkennungsquote für Albaner von 0,2 Prozent im letzten Jahr scheint sie nicht entmutigt zu haben. Also setzte sie sich in den Bus nach Deutschland.

Das Leben in der Burachhalle ist eintönig, aber Dani Dukate möchte nicht nutzlos herumsitzen. Sie geht zu dem Syrer Yusef, der einen Stapel Papier auf dem Tisch vor sich liegen hat. Sie zückt ihre rote Lesebrille und schaut sich einen Zettel an. Geduldig erklärt sie ihm die deutschen Worte, die auf seinem Papier stehen, und schreibt etwas dazu. Dani Dukate ist die gute Seele der Burachhalle. Sie lernt mit den Flüchtlingen Deutsch, dolmetscht, schaut sich ihre Papiere und Briefe an. "Sie hilft den Leuten hier oft", erzählt Ramona Loch.

Doch dies alles wird Dani Dukate nicht helfen. In der Heimat erwartet sie ein trostloses Leben. "Die Menschen hier lieben anders als in Albanien. Hier wird man nicht nur geliebt, wenn man dem anderen etwas gibt." Ob Student, Rentner oder Arbeitsloser, in Deutschland habe jeder Essen, Trinken und einen Platz zum Schlafen. In Albanien dagegen werde man sich selber überlassen.

Die Schilder an der Wand müssen für Dani Dukate spöttisch wirken. "Herzlich willkommen" steht auf ihnen geschrieben. Gott habe die Erde für alle gegeben, doch in Albanien sehe sie davon nichts. "Deutschland gibt Hoffnung zum Leben", sagt sie und es zeigt sich ein Glanz in ihren Augen. Ihre besten Zeiten habe sie hier gehabt. "Hier sind wir frei. Freiheit ist alles."

 

Dani Dukate hat kaum mehr Hoffnung auf Asyl.


Malen mit Muße hilft gegen Stress 

Reportage

Neue Presse, 26.09.2016


Schneller, besser, produktiver: Gefühlt liegt unser Fuß ständig auf dem Gaspedal. Ein Weg zur Entschleunigung ist das künstlerische Gestalten – bewusst ohne Druck und Perfektion. Meditatives Malen und Zentangle-Zeichnen sind zwei angesagte Varianten.

VON ELENA EVERDING

Langsam vermischt sich die blaue Aquarellfarbe mit dem Lila. Schiefe Spiralen, unklare Linien und zufällig gesetzte Punkte überziehen das Blatt Papier. Klassische Musik klingt leise aus dem CD-Spieler. Was genau auf dem fertigen Bild zu sehen ist, ist der Fantasie überlassen. Das ist aber auch gar nicht wichtig, denn im Atelier von Irina Kulenko zählt heute nur das Malen an sich. 

„Beim meditativen Malen geht es nicht darum, etwas zu schaffen“, erläutert die Künstlerin und Kunstpädagogin. In ihrer Kunstschule in Kirchrode bringt sie ihren Schülern in Malkursen unterschiedliche Formen der Kunst bei. Das sind einerseits die klassischen Techniken, aber eben auch das Malen zur reinen Entspannung. Vor allem Kinder, aber auch Erwachsene kommen zu ihr, um für ein, zwei Stunden in eine andere Welt abzutauchen. „Überall wird von den Menschen etwas verlangt“, stellt Kulenko fest. Stress bis hin zum Burnout belaste schon die Schulkinder, „bei mir zählt deshalb nicht das Ergebnis, sondern der künstlerische Prozess.“

Eine Bewertung der meditativen Zeichnungen nach objektiven Kriterien sei nicht nötig und auch nicht erwünscht, stellt die zierliche Frau klar: „Das Einzige, was zählt, sind die eigenen Gedanken und Gefühle während des Malens. So ist man nur im Hier und Jetzt.“ 

Trotzdem falle es vor allem Erwachsenen oft schwer zu malen, ohne dabei ein festes Ziel vor Augen zu haben. „Etwas zu tun, ohne dabei eine Leistung erbringen zu wollen, kennen viele gar nicht mehr“, weiß die ausgebildete
Kunstpädagogin. Auch seine Gefühle zu reflektieren, ist zuerst gar nicht so einfach. Doch das alles könne man lernen,
indem man regelmäßig auf diese Art und Weise malt. So habe beispielsweise eine ihrer Schülerin mit Hilfe des Malens ihr Trauma – verursacht durch einen Autounfall – überwunden. Zufriedenheit mit sich selbst und seinem Leben – für Kulenko ist das Malen eine Möglichkeit auf dem Weg dorthin.

Etwas beginnen, ohne zu wissen, wo es hinführt: Nach dem Prinzip funktioniert auch die Zeichenmethode Zentangle. Der Trend aus den USA, auch als Zendoodle bekannt, ist mittlerweile bei uns in Deutschland angekommen. Dabei soll das Zeichnen detaillierter Muster auf einem kleinen quadratischen Blatt Papier, Tile (zu Deutsch: Kachel) genannt, den Künstler in einen meditativen Zustand versetzen.

„Bücher zum Thema Zentangle gehen bei uns sehr gut weg“, berichtet Altin Demirayak. Sie ist in der Filiale der Bastelkette „Idee“ an der Schmiedestraße Expertin für meditatives Malen und Zeichnen. Hinter ihr jede Menge Ratgeber
zu diesem Trend-Hobby aufgereiht. Zu den Ausmalbüchern, die schon im vergangenen Jahr Entspannungstrend wurden,
gesellen sich seit neuestem auch Zentangle-Bücher, die Auswahl ist riesig.

„Knightsbridge“, „Crescent Moon“ und „Printemps“ heißen die Muster, Tangles genannt, die einem beim Blättern durch die Bücher entgegenspringen. Es sind Kreise, Punkte, Dreiecke oder Quadrate, in unendlich vielen Variationen. Über 100 dieser Tangles gibt es, und es kommen stetig neue dazu. Doch bevor Muster auf dem Tile entstehen, richtet der Künstler den Fokus nur auf das Blatt Papier. Achtsamkeit ist das Stichwort – die soll beim „Tangeln“ geübt werden. Dann können die Eckpunkte und der Rahmen gesetzt werden, außerdem teilen feine Linien das Blatt ein. Nun werden die verschiedenen Muster beliebig kombiniert, dabei entsteht ein individuelles kleines Kunstwerk. Zuletzt gibt der Zeichner seinem Tangle mit Schattierungen den letzten Schliff.

Wie beim meditativen Malen blenden Menschen beim Zentangle ihren Alltag und ihre Umgebung aus. „So kann man sich auf kreative Art und Weise entspannen“, meint Demirayak.

Entwickelt haben die Methode die Amerikaner Maria Thomas und Rick Roberts, sie verdienen damit als eingetragener Marke inzwischen wohl einiges. Die beiden geben Zentangle-Kurse und verkaufen Bücher und passendes Material. Auch in Deutschland gibt es einige zertifizierte Trainer, aber ein ordentliches Zentangle- Buch und auch Youtube Videos lehren das nötige Handwerkszeug ebenso gut. Grundsätzlich gilt: Für das Zeichnen nimmt man sich am besten viel Ruhe und Zeit – ganz für sich allein.

 

RheinZeit - Sendung des TV-Seminars des Journalistischen Nachwuchsförderung